Infolge der öffentlichen Gemeinderatssitzung der Ortsgemeinde Maring-Noviand am 10.02.2026, nach der zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihre Empörung über die Ablehnung einer Bürgerbefragung zum Ausdruck brachten, erreichte die Bürgerinitiative „Pro Gewerbepark MN“ die nachfolgende E-Mail von Dr. Roland Lesch. Diese war an Ortsbürgermeister Becker gerichtet und wurde darüber hinaus in Kopie an die Bürgerinitiative „Pro Gewerbepark MN“, einen weiteren in der örtlichen Debatte öffentlich in Erscheinung tretenden Akteur, einen Vertreter der „Liste Zukunft“ sowie die Verbandsgemeindeverwaltung Bernkastel-Kues übermittelt. Dr. Lesch hat uns die Veröffentlichung dieser E-Mail auf unserer Homepage ausdrücklich gestattet.
Hallo Klaus,
zuerst eine Vorbemerkung: ich war nicht auf der Gemeinderatssitzung, habe meine Informationen aus den lokalen Medien und den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten.
Dort wirst du mit den Worten zitiert: “Wir sind der Meinung, dass es dem Bürger nicht zugemutet werden kann, solch eine komplexe Frage zu beantworten mit einer einfachen Ja- oder -Nein Frage.” Ein Dementi oder eine Entschuldigung habe ich nicht gelesen.
Hälst du die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde für so “dumm”, dass sie sich über diese Frage keine Meinung gebildet haben. Die Vergangenheit zeigt, dass sich an den Bürgerbefragungen nur die Menschen beteiligen, die sich zu dem Fragenkomplex durchaus eine Meinung gebildet haben und damit durchaus mit ja oder nein abstimmen können. Oder liegt der Grund vielmehr darin, dass die Liste “Becker“ fürchtet im Dorf keine Mehrheit mehr zu haben. Ich halte Deine Aussage für höchst undemokratisch – wie hieß es in der ehemaligen DDR “wir sind das Volk”, wir wollen darüber abstimmen.
Mit dieser Einstellung hast du dem Bürgermeisteramt in den Gemeinden schweren Schaden zugefügt, ein Bürgermeister ist der Repräsentant aller Gemeindemitglieder und nicht nur der Vorsitzende einer Liste – schade.
Abschließend darf ich vielleicht Papst Leo zitieren, der anläßlich seiner Ansprache vor dem diplomatischen Korps beim Heiligen Stuhl am 9. Januar fogendes sagte: „An Stelle der Diplomatie, die den Dialog fördert und einen Konsens unter allen anstrebt, sei eine Gewaltdiplomatie getreten, die von Einzelpersonen oder Gruppen von Verbündeten ausgeübt werde.” – dies gilt für die Weltpolitik, aber auch für die kleine Politik in Maring-Noviand.
Vielleicht könnte dieser Satz die Einsicht beflügeln nocheinmal auf einander zuzugehen, die Einzelinteressen hintanzustellen und vielleicht mit Hilfe eines Moderators noch zu einer Lösung zu kommen. Ich würde mir dies zum Wohl der Gemeinschaft im Dorf sehr wünschen.
Dr. Roland Lesch
In seiner Antwort auf Dr. Roland Lesch stellt Ortsbürgermeister Becker klar, dass sich seine in den Medien zitierte Aussage „ausschließlich auf die inhaltliche Komplexität der Fragestellung“ bezogen habe. Sie stelle „weder eine Bewertung der Bürgerinnen und Bürger noch eine Infragestellung ihrer Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit“ dar. Zugleich betont er, Bürgerbeteiligung sei „ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Entscheidungsprozesse“.
Diese Einordnung begrüßen wir ausdrücklich. Sie macht deutlich, dass die Sorgen und Reaktionen vieler Bürgerinnen und Bürger angekommen sind und dass die Bedeutung von Beteiligung, Respekt und demokratischem Dialog erkannt wird.
